Unser Wald

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Das Klima ändert sich und mit ihm unser Wald

Bäume brauchen Wasser zum Leben. Trockenheit und Hitze bereiten vielen Bäumen Probleme. In den letzten vier Jahren litten vor allem Fichten unter den Witterungsextremen. Aber auch Buchen zeigten deutliche Schäden. Die Bäume verlieren ihre Blätter und Nadeln, sind anfällig für Schädlinge, werden krank und sterben ab. Vielerorts sind große Teile des Waldes verschwunden. Sie fehlen in der CO2-Bilanz und als Rückzugs- und Lebensraum für die Tiere des Waldes. Bis sie wieder nachgewachsen sind, vergehen Jahrzehnte. Wir beim Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen fragen uns daher: Wie können wir solche Situationen künftig verhindern?

50 Meter hoch
Rotbuchen können eine Höhe von 50 Metern erreichen.
1000 Jahre alt
Stieleichen können tatsächlich bis zu 1000 Jahre alt werden.
Mit 60 vermehrt
Erst mit 60 Jahren haben Eichen vermehrungsfähige Samen.
Intakter Mischwald
Foto: Münch, Moritz/Wald und Holz NRW

Der Standort entscheidet

Intakte und stabile Wälder sind wichtig für unser Klima, unsere Naturvielfalt und für das Leben in unserem Land. Leider gibt es kein Standardrezept, nach dem wir unsere Wälder fit und widerstandsfähig machen können gegen den Klimastress. Wir wissen zwar, dass bestimmte Baumarten besser mit den Klimaveränderungen klarkommen als andere. Und wir wissen auch, dass Laubmischwälder stabiler sind als beispielweise reine Fichtenwälder. Wie aber ein Waldgebiet zu gestalten ist, hängt maßgeblich von den jeweiligen Standortbedingungen ab – und einer Prognose, wie sie sich künftig verändern werden. Dazu gehört die Verfügbarkeit von Wasser, der Nährstoffgehalt des Bodens und die Länge der Vegetationszeit, die auch davon abhängt, in welcher Höhe das Waldgebiet liegt.

Genug Wasser und der richtige Boden

Den einen Wald der Zukunft wird es nicht geben. Die lokale Beschaffenheit des Bodens und die Verfügbarkeit von Wasser, vor allem innerhalb der Vegetationszeit, wird ausschlaggebend sein, was in einem Wald wächst. Der Weltklimarat geht davon aus, dass Witterungsextreme wie Trockenheit und Hitze zunehmen und intensiver werden. Wenn die Regenmenge eines ganzen Jahres auf den ersten Blick ausreichen müsste, um Bäume gut mit Wasser zu versorgen, könnten über mehrere Monate andauernde Trockenheit und Hitze zum Kollaps von Baumarten und sogar ganzer Waldökosysteme führen.

Ein Förster führt im Wald die Waldzustandserhebung durch.
Foto: Wald und Holz NRW

Baumarten der Zukunft

Über all diese Fragen machen wir uns bei Wald und Holz NRW nicht erst jetzt Gedanken. Seit vielen Jahren sammeln wir Daten und Informationen über unsere Wälder in NRW, werten sie aus und erproben auf unseren Versuchsflächen, welche Baumarten sich für den Wald der Zukunft am besten eignen. Auf der Basis dieser Erkenntnisse haben wir sogenannte Waldentwicklungstypen definiert. Die Wälder der Zukunft werden in NRW überwiegend Laubmischwälder mit mindestens vier verschiedenen Baumarten sein. Dabei pflanzen wir die Baumarten nicht einfach wild durcheinander, sondern legen Wert auf eine gute Durchmischung. Das hat viele Vorteile. Beispielsweise, dass ein Schädling, der auf eine bestimmte Baumart spezialisiert ist, nicht gleich den ganzen Wald befallen kann. Die richtige Mischung erhöht zudem die Vielfalt der Lebensräume und Arten in unseren Wäldern.

Nationalpark Eifel
Foto: Ketz, Dominik/Wald und Holz NRW

Was bedeutet eigentlich „Waldverjüngung“?

Ein Waldgebiet, in dem Bäume aller Altersstufen wachsen, also ganz junge, mittelalte und ganz alte, ist für das Ökosystem Wald und seine biologische Vielfalt – von einigen Ausnahmen abgesehen – ideal. Ein solcher Wald verjüngt sich ganz natürlich: Samen der geschlechtsreifen Bäume fallen auf den Boden oder werden von Eichelhähern, Mäusen oder Eichhörnchen als Wintervorrat verbuddelt und treiben im nächsten Frühjahr aus. Unter dem Schutz der alten Bäume wachsen die jungen heran und werden ganz langsam größer. Auf leeren Waldflächen helfen wir der Natur behutsam nach, indem wir junge Bäume anpflanzen. Der Vorteil ist, dass wir so auch Baumarten ansiedeln können, die bisher noch nicht in diesem Waldgebiet vorkommen, von denen es also in der Nähe keine Samen gibt, die sich natürlich aussäen könnten. So können wir den Wald von morgen heute ein Stück weit mitgestalten. Denn anders als den Bäumen selbst, ist uns schon jetzt klar, dass sich das Klima sehr wahrscheinlich weiter verändern wird – und bestimmte Baumarten damit besser zurechtkommen werden als andere.